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In der Wiesbadener Flamencoschule Jaleo lernen 100 Tanzbegeisterte Sevillanas und Kastagnettenspiel

Von Sabine Krischke (Frankfurter Rundschau) 08.03.2002

Mehr als ein Tanz: In der Wiesbadener Flamencoschule Jaleo lernen Jung und Alt die Kunst des Klatschens, Stampfens und Kastagnetten-Spiels in südspanischer Tradition. „Auch deutsche Frauen haben Temperament“, sagt Flamenco-Enthusiastin und Schulgründerin Gaby Herzog.

WIESBADEN. Die Hände mal elegant über den Kopf erhoben, mal selbstbewusst in die Hüfte gestemmt, dann wieder kokett in den rauschenden Rock greifend, wirbelt Gaby Herzog durch den Raum. Ihre Schülerinnen stehen ihr nicht nach, tanzen mal in Formation, blicken sich gegenseitig tief in die Augen, drehen sich – und klatschen dazu im Rhythmus der Gitarrenklänge in die Hände oder stampfen mit ihren genagelten Schuhsohlen selbstbewusst auf. Der Boden bebt.

„Flamenco ist einfach laut“, sagt Gaby Herzog noch etwas atemlos, lacht und ordnet die Rockrüschen. Vor sechs Jahren eröffnete die heute 38-Jährige die Flamencoschule Jaleo in einem Hinterhofhaus in Wiesbaden. Gegründet hat sie selbige aber schon 1993 in Taunusstein (Rheingau-Taunus-Kreis): „Da gab’s dann aber ein kleines Lärmproblem“, sagt die grazile Frau, die als Tochter einer Chilenin und eines Deutschen in Peru aufwuchs und vor 17 Jahren nach Deutschland kam.

Eigentlich wollte sie in Deutschland Querflöte studieren. Doch der Flamenco-Film „Carmen“ von Carlos Saura machte diesen Plan zunichte: „Als ich den im Kino sah, wollte ich unbedingt auch so tanzen können“. Statt die Flöte zu blasen, begann Gaby Herzog täglich mit Leidenschaft Flamenco zu üben, besuchte Seminare und Lehrgänge in Sachen südspanischer Tanz-Tradition, die der Zigeunerkultur entstammt „und nicht nur Tanz, sondern eine Kunstform, ein Lebensgefühl, überschäumende Emotion, Freude wie Melancholie ist“.

Herzogs Begeisterung teilen mittlerweile mehr als 100 Schüler – Frauen, Mädchen ab sechs Jahren und zwei Männer – die in der nach Herzogs Angaben „größten reinen Flamencoschule der Region“ die heißblütige Tanz-Kunstform trainieren. „Auch deutsche Frauen haben Temperament“, sagt die Lehrerin mit südamerikanischem Feuer im Blut. Aber: Glut, Leidenschaft und Gefühl allein reichen nicht. „Flamenco ist schwere körperliche Arbeit und technisch anspruchsvoll.“ Gar nicht leicht sei es etwa, Armführungen, Schritte, begleitendes Klatschen und Stampfen (das viel Fußkraft erfordert) zu koordinieren und in harmonischen Einklang zu bringen. Und das Kastagnettenspiel, das Kraft und Geschick von allen Fingern verlangt, ist dann noch mal eine eigene Kunst für sich: Als Mitglied der Internationalen Gesellschaft für künstlerisches Kastagnettenspiel in Köln lehrt Herzog das tanzbegleitende Holzgeklackere auch nach Noten. „Wir spielen alles, von der spanischen Volksweise bis zum Bachkonzert.“

Wie lange es dauert, um so richtig Flamenco mit spanischer Grandezza und Kastagnetten in den Händen tanzen zu können, hängt vom Talent und Trainingsfleiß ab. „Aber nach einem Jahr kann man schon ein bisschen was“, sagt Herzog. Schneller gehe es mit der einfacheren Variante des Flamenco, dem Sevillana, der recht flott zu erlernen sei.

„Flamenco ist mehr als Tanzsport“, sagt Herzog-Schülerin Petra Stoiber (34), die früher Jazztanz machte, dann „die Freude am spanischen Feiern“ entdeckte und nun seit eineinhalb Jahren fleißig Sevillanas und Flamenco übt. Neben der „gefühlvollen Ausdrucksstärke“ und der Eleganz gefalle ihr, „dass man Flamenco tanzen kann, bis man alt und grau ist“. Und der temperamentvolle Tanz eben so richtig gute Laune bei Feten nach spanischer Art mache. Da Gitarrenmusik, Zigeunerklänge oder Volksweisen in deutschen Tanzpalästen aber eher selten gespielt werden, organisieren die Wiesbadener Flamencoschüler gemeinsam mit der Initiative Flamenco in Frankfurt mittlerweile regelmäßige Flamencotreffs. Jeden ersten Samstag im Monat klackern die Kastagnetten in Frankfurt im Bürgertreff Bornheim (Saalburgstraße 17), jeden dritten Samstag in der Wiesbadener Bodega de Música in der Schwalbacherstraße 69.

Infos zu den Kinder- oder Erwachsenenkursen der Flamencoschule Jaleo in Wiesbaden, Blücherstraße 20, gibt es unter Rufnummer 06 11 / 71 22 59. Weitere Flamenco-Kursangebote in Frankfurt und der Rhein-Main-Region finden sich im Internet unter der Adresse: www.flamenco-seiten.de