Project Description

Miguel Angel vermittelt mit spanischem Ausdruckstanz Selbstbewusstsein.

Von Kurier-Mitarbeiterin Martina Meisel

Wiesbadener Kurier, 26. Januar 2004

Einer der berühmtesten Flamencotänzer und Choreographen hat einen besonderen Bezug zu Wiesbaden. Im Oktober beeindruckte der Spanier Miguel Angel in der Aufführung von „Machismo“ im Kurhaus. Für die Flamencoschule Jaleo bot er jetzt erstmals Workshops für Wiesbadener Tanzschüler an. Miguel Angel entstammt einer äußerst tanzfreudigen Familie. Cousins, Schwestern, Onkel – alle haben sie es ihm vorgemacht. Insgeheim wollte er auch tanzen, aber dem zehnjährigen Miguel fehlte der Mut. „Ich habe mich geschämt“, gibt der heute 39-jährige zu und wirkt dabei immer noch ein bisschen schüchtern.

Die ersten Flamenco-Schritte lernte er von seiner Mutter, die ihn heimlich in der Küche unterrichtete. Der Rest der Familie wurde auf sein Talent erst aufmerksam, als der Junge auf einem Fest selbstvergessen eine gekonnte Drehung hinlegte. Danach war sein Geheimnis offenbar und er konnte offiziell Unterricht nehmen. Ein Hauslehrer löste die Mutter ab – bis sein Großvater zwei Jahre später von einem berühmten Lehrer in Sevilla erfuhr: Federico Casado konnte seine Schüler angeblich innerhalb von drei Monaten zum Star machen. Großzügig bot der Opa die Finanzierung dieser Ausbildung an – ohne zu wissen, dass er sehr viel länger würde bezahlen müssen. Insgesamt vier Jahre lang blieb Miguel in Sevilla, bevor er als 16-jähriger vom damaligen Director des spanischen Nationalsballetts „entdeckt“ wurde.

Geradezu ehrfürchtig erinnert sich Miguel Angel an den großen Antonio, den er den „Nurejew des Flamenco“ nennt. Bei ihm lernte er eine Welt kennen, so ganz anders als die der Schule. „Es ging sehr diszipliniert und straff organisiert zu. Die Jahre beim Ballet Nacional waren eine harte, aber auch sehr schöne Zeit.“

Von hier aus startet der junge Tänzer seine internationale Karriere als Solist, die ihn durch Europa, nach Israel, Japan und in die USA führte. „Ich fühle mich auf der ganzen Welt zuhause, mein Herz aber gehört Spanien.“

Die Wurzel der Vergangenheit zu kennen ist dem Künstler sehr wichtig. Mit leuchtenden Augen spricht er über die sechziger Jahre, die er selbst nur aus den Erzählungen seiner Lehrerin kennt. In dieser goldenen Ära des spanischen Tanzes seien die Ensembles oft für mehrere Monate, manchmal ein Jahr auf Tournee gewesen. Auch Miguel Angel hat noch Tausende von Kilometern im Tournee-Bus zugebracht, bevor sich der Trend zu kurzen Abstechern mit dem Flugzeug durchgesetzt hat. Wehmut klingt durch, wenn er sagt: „Durch das ständige Unterwegssein hat man sich noch mehr als Künstler gefühlt.“ Neben dem Reisen gehören zu diesem Gefühl auch das Lampenfieber und der Rausch des Applauses. „Ein Künstler braucht für seine Entwicklung den ständigen Kontakt mit dem Publikum“, weiß der Tänzer. „Wenn ich einen Monat lang nicht auftrete, werde ich traurig. Das kühlt die Seele ab.“ Heute sind die Auftritte seltener geworden. In der freien Zeit dazwischen bietet der Spanier Workshops an, wie zuletzt Mitte Januar bei der Wiesbadener Flamencoschule Jaleo. Dabei reizt es ihn, dem Schüler sein Gefühl für den Flamenco zu vermitteln. “ Ich wünsche mir, dass die Menschen sich nach meinen Workshops besser fühlen. Der Tanz kann so viel geben. „Das gehe im Gewühl aus Geldsorge und Oberflächlichkeit des kommerziellen Kulturbetriebs oftmals unter.

Für Angel ist der spanische Blues eine faszinierende Kraftquelle, die das Selbstbewusstsein der Tänzer stärke. „Flamenco ist pure Lebenskraft.“